Was hat ein Hummer mit Quantenmechanik zu tun ?

Der Hummer im bretonischen Alltag

An der Küste der Bretagne ist das Amateurfischen weit verbreitet, wie man an den vielen kleinen Booten in den zahllosen geschützten Buchten unschwer erkennen kann. Allerdings geht es hierbei nicht um das mehr oder weniger beschauliche Angeln mit der traditionellen Angelrute, sondern in der Regel um das Aussetzen (und Wiederfinden!) von Hummerkästen.

Hummerkästen

Meistens sind es jedoch kleine und große Krebse und Langusten, die sich in diese Kästen verirren, aber hin und wieder gelingt auch der Fang eines Homarus gammarus, zu deutsch: eines europäischen Hummers. Im Gegensatz zu den amerikanischen Verwandten ist diese Variante wesentlich größer, aber auch viel seltener in freier Wildbahn anzutreffen.

Das nebenstehende Exemplar brachte 2235 Gramm auf die Waage, was immerhin so außergewöhnlich war, dass sein Fang unbedingt dokumentiert werden musste, da die Freunde und Konkurrenten des uns bekannten Hobbyfischers ansonsten seinem „Anglerlatein“ keinen Glauben geschenkt hätten. Anlässlich des somit anberaumten Fotoshootings erfuhren wir dann auch gleich einige interessante Hintergründe, wie zum Beispiel, dass eine Zange des Hummers immer größer ist als die andere und dass es sich bei unserem unfreiwilligen Model unverkennbar um einen Linkshänder handelte.

Der Zubereitung des Hummers haben wir nicht beigewohnt und können daher keinen Augenzeugenbericht beisteuern, so dass dieser Artikel vielleicht doch nicht auf dem Index der Tierschützer landen wird. Als Tierfreunde und Gelegenheitsvegetarier, aber auch Hobbyethnologen und an der Alltagskultur interessierte Bretagnefreunde schlugen wir die Einladung zum Diner jedoch nicht aus und konnten weitere wertvolle Beobachtungen machen:

  • Zum Aperitif gab es Pastis bzw. Ambassadeur
  • Es ging weiter mit einem Salat aus dem eigenen Garten mit der obligatorischen Sauce vinaigrette
  • Der Hummer wurde von frischem Brot (Baguette, bien sûr!), hausgemachter Mayonnaise und 2 Flaschen Pouilly-Fumé begleitet.
  • Es folgte die Käseplatte (mit noch mehr Baguette und 0,7 Liter Saint Emilion)
  • Als Nachtisch wurde ein Far breton, also eine lokale Kuchenart, gereicht
  • Abschließend servierte man uns Espresso bzw. „Infusion“, der französische, weitgehend geschmacksneutrale Kräuter- oder Früchtetee,
  • gefolgt von einem Digestif, der aus einer anderen, nicht minder keltischen Gegend kam: ein Gläschen Glenfarclas

Während dieser mehrere Stunden dauernden Milieustudie gab es natürlich wie in Frankreich üblich nur zwei Themen: die politische Situation im Allgemeinen und das Essen im Besonderen. Hierbei konnte man erfahren, dass Mayonnaise selbstverständlich hausgemacht ist und dass man in der Bretagne keine speziellen Werkzeuge zum Verzehr eines Hummers benötigt, wenn die Küche mit einem Hammer ausgestattet ist. Interessant war auch, dass die Farbänderung des Hummers von einer Änderung der Ausrichtung der Farbpigmente des Panzers hervorgerufen wird, was niederländische Forscher mit Mitteln der Quantenmechanik herausgefunden haben. Grundlagenforschung auf höchstem kulinarischen Niveau!

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